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#RETHINKEUROPE: Rückschau

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Die Zukunft Europas gemeinsam im Fokus

Scharfe Analysen und kreative Diskurse, mutige Visionen und ein unbedingtes Ja zum europäischen Projekt – das war „#ReThink Europe 2017“

 

Eine knappe Woche nach der deutschen Bundestagswahl sind in Passau führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen gekommen, um nichts weniger als die Zukunft Europas zu diskutieren. Lebendig, kontrovers und getragen von einer großen Überzeugung für das gemeinsame europäische Projekt, widmeten sich die Teilnehmer des hochkarätig besetzten Think Tanks „#ReThink Europe 2017“den drängenden Problemen des gegenwärtigen Europas und machten die Dreiflüssestadt für zwei Tage zum Schauplatz packender Auseinandersetzungen und kreativer Diskurse über ein Europa von morgen.

Über 30 renommierte Referentinnen und Referenten aus Politik und Wirtschaft waren dabei in Passau zu Gast und haben zusammen mit dem international besetzten Publikum des Kongresses in verschiedenen Gesprächsforen gegenwärtige Herausforderungen für Europa analysiert, diskutiert und eingeordnet. Dabei im Zentrum: Die aktuelle politische Situation in den verschiedenen Mitgliedsländern, die Nachbarstaaten Deutschland und Österreich als Kraftwerk im Herzen Europas, die Situation am europäischen Arbeitsmarkt und die Rolle der Generation Y und nicht zuletzt die schwierige Beziehung zwischen der EU und der Türkei.


Europa vor starken Herausforderungen


Gerade angesichts des Erstarkens von rechtspopulistischen Parteien in verschiedenen europäischen Ländern, sind die ursprüngliche europäische Idee, ihre kraftvolle wirtschaftliche und politische Umsetzung und der keineswegs selbstverständliche Friede seit über 70 Jahren kostbare Errungenschaften, die es unbedingt zu pflegen und zu wahren gilt, so die einhellige Meinung der Diskutanten.

Blickt man jedoch auf die aktuellen politischen Entwicklungen, so scheint dies keineswegs gesichert und hat Europa im Jahr 2017 mit heftigem Gegenwind und mitunter massiven Attacken zu kämpfen. Während die Globalisierung stetig fortschreitet, beobachten die führenden Vertreter aus Politik und Wirtschaft gleichzeitig eine Tendenz zur Abspaltung und Betonung der Unterschiedlichkeit, wie zum Beispiel beim Brexit oder in Katalonien zu sehen. Als immense Herausforderung zeigt sich zudem die latente Angst vor dem Fremden, die durch die Flüchtlingskrise erheblich verstärkt wurde und in verschiedenen europäischen Ländern politisch instrumentalisiert wird. Als umso entscheidender wurden die Umsetzung der europäischen Idee im Bildungssektor und die Rolle der Universitäten ebenso wie der Unternehmen als vereinende Kräfte erkannt, die sich einer unreflektierten Dumpfheit entgegen stellen können.

 

Deutschland und Österreich – enge Nachbarn und starke Europäer


Wohl kaum ein Ort ist für den Austausch führender Unternehmer aus Deutschland und Österreich besser geeignet als die Grenzstadt Passau und als potentielles wirtschaftliches „Kraftwerk“ im Herzen Europas verbindet die Nachbarn sowohl Sprache als auch Kultur. Im Austausch der Diskutanten beider Länder wurde allerdings auch das Spannungsfeld zwischen der Bedeutung der Nationalstaatlichkeit einerseits und der europäischen Zugehörigkeit andererseits deutlich – ein Spannungsfeld, das von manch anderen Mitgliedsstaaten sehr zu Lasten der EU ausgelegt wurde. So standen in diesem Panel unter anderem die Flüchtlingskrise und ihre Folgen im Fokus, die als absolut prägend für die weitere europäische Entwicklung erkannt wurden. Nach dem ersten Schock gelte es nun, konkrete Lösungen zu finden, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen, so Dr. Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender und CEO der voestalpine AG, und gerade die Unternehmer seien gefragt, dabei mit gutem Beispiel voran zu gehen. Was den Zusammenhalt der Mitgliedsstaaten angesichts dieser Herausforderung anbelangt, war die Meinung einhellig: „Entweder sind wir eine Gemeinschaft in Europa mit einer gewissen Mindest-Solidarität oder man muss Europa neu definieren. Es kann nicht sein, dass ein Land alle Vorzüge genießt, die die EU bietet, aber nicht bereit ist, auch selbst einen Beitrag zu leisten.“

 

Die Generation Y und der europäische Arbeitsmarkt


Ein lebendiger und starker europäische Arbeitsmarkt ist für den Fortschritt Europas entscheidend und auch dieser Bereich ist mit großen Herausforderungen konfrontiert. Globalisierung, Digitalisierung, Zuwanderung – diese Themen standen im Zentrum des ausführlichen Panels, das Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Generation Y zusammenbrachte mit führenden Vertretern großer Unternehmen.

Top ausgebildet, interdisziplinär geschult, äußerst anpassungsfähig und häufig mit internationalem Hintergrund, bereichert die Generation Y den europäischen Arbeitsmarkt mit zahlreichen Kompetenzen. Doch auch ihre Ansprüche an die Unternehmen sind facettenreicher geworden. Hierarchien werden in Frage gestellt, neue Arbeitsformen angestrebt und nicht zuletzt ein Aufgabenspektrum erwünscht, das jenseits des reinen Jobs sinnstiftend ist und global gedacht werden kann. „Die Welt hat eine enorme Komplexität erreicht. Man kann sie in den Unternehmen nicht mehr so steuern wie noch vor 30 Jahren“, so Janina Kugel, Personalvorstand der Siemens AG, und gerade die Digitalisierung könne ein Unternehmen nur bewältigen, wenn es in Partnerschaften denke. Die Digitalisierung und die Globalisierung müssen von den europäischen Unternehmen aktiv mitgestaltet werden: dies erfordert neue Strategien, eine intensive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der jungen Arbeitnehmerinnen und –nehmer und nicht zuletzt das Einsetzen für eine klug gesteuerte Zuwanderung vor dem Hintergrund des deutlich spürbaren Fachkräfte-Mangels. So stellt Kugel fest: „Die große Herausforderung ist es, nicht nur europäisch, sondern global zu denken. Deutschland wird die Situation, die wir heute erreicht haben, nicht ohne Zuwanderung weiter erreichen, weil wir schlicht und einfach zu wenig Kinder bekommen“.

 

Die EU und die Türkei – eine Beziehung in der Krise?



Kaum eine Frage stellt die Identität und Selbsteinschätzung der EU stärker auf den Prüfstand als jene nach der Beziehung zur Türkei. Wie herausfordernd und vielschichtig dieses Thema ist, zeigte eindrücklich das Panel mit dem märchenhaften Titel „Drei Nüsse für Präsident Erdogan“. Gibt es eine realistische Chance einer Partnerschaft mit der EU oder bleibt es ein Märchen – diese Frage leitete durch ein intensives Panel, das kontroverse Punkte ebenso aufzeigte wie fruchtbare Perspektiven.

Dabei wurde deutlich, dass sich die Bilder, die sich die Vertreter beider Länder voneinander machen, mitunter stark unterscheiden und die Wahrnehmung der gemeinsamen Beziehung sehr unterschiedlich ist. Prominenter Vertreter der türkischen Perspektive war Akif Çağatay Kılıç, der die Thematisierung der Türkei in Deutschland deutlich kritisierte. „Warum wurde in Deutschland im Wahlkampf so viel über die Türkei berichtet?“, fragte Kilic kritisch, und mahnte an, dass man sich nicht auf Twitter und Instagram verlassen sollte, wenn es um einen realistischen Eindruck der aktuellen Lage gehe.

Einig waren sich die Diskutanten darin, dass angesichts der Differenzen Kooperationsprojekte beider Länder umso entscheidender sind und gerade den Bildungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft hier eine wichtige Rolle zukommt.

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